Auto-i-Dat-Bilanz 2026: Schweizer Occasionsmarkt bleibt stabil trotz Unsicherheit

Verschiedene Autos auf einem Parkplatz
Während der Neuwagenmarkt weiterhin mit Herausforderungen kämpft, bleibt der Gebrauchtwagenmarkt stabil auf hohem Niveau.

Alles auf einem Blick:

  • Der Schweizer Occasionsmarkt bleibt im 1. Quartal 2026 stabil auf hohem Niveau.
  • 176’437 Fahrzeughalterwechsel zeigen eine konstante Nachfrage nach Gebrauchtwagen.
  • Hohe Neuwagenpreise und Unsicherheit stärken den Occasionsmarkt zusätzlich.
  • Das Angebot an Gebrauchtwagen wird durch rückläufige Neuzulassungen langfristig knapper.
  • Elektro-Occasionen bleiben trotz Wachstum anspruchsvoll in Bewertung und Nachfrage.

Der Schweizer Occasionsmarkt zeigt sich im ersten Quartal 2026 robust und weitgehend stabil – trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und eines weiterhin unter Druck stehenden Neuwagenmarkts. Laut aktuellen Daten von Auto-i-Dat wechselten 176’437 Fahrzeuge den Halter oder die Halterin. Das entspricht nahezu exakt dem Vorjahresniveau und liegt rund zehn Prozent über dem Vergleichszeitraum 2024.

Warum Gebrauchtwagen weiterhin gefragt sind

Die stabile Nachfrage hat mehrere Ursachen. Viele Käuferinnen und Käufer verschieben aktuell den Kauf eines Neuwagens. Gründe dafür sind hohe Preise, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie offene Fragen rund um verschiedene Antriebstechnologien.

Stattdessen entscheiden sich viele für günstigere Occasionen und nutzen Fahrzeuge länger weiter – oft mit kleineren Reparaturen.

„Viele überlegen sich den Neuwagenkauf derzeit zweimal“, erklärt Mitteregger. Ein entscheidender Faktor ist der hohe Wertverlust neuer Fahrzeuge: Bereits nach einem Jahr kann rund ein Drittel des Fahrzeugwerts verloren gehen.

Angebotsverknappung stützt den Markt zusätzlich

Während die Nachfrage stabil bleibt, nimmt das Angebot an Gebrauchtwagen langfristig ab. Seit der Pandemie wurden jährlich rund 60’000 Neuwagen weniger verkauft als zuvor.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, fehlen bis Ende 2026 insgesamt rund 360’000 Fahrzeuge auf dem Markt. Das entspricht fast zehn Prozent des gesamten Schweizer Personenwagenbestands.

„Diese Lücke lässt sich nicht mehr aufholen“, so Mitteregger. Die Folge: Der Fahrzeugbestand altert weiter. Das stützt zwar Werkstattumsätze, belastet jedoch den Neuwagenhandel sowie angrenzende Branchen wie Versicherungen und Carrosserie-Betriebe.

Markenentwicklung: VW bleibt führend, neue Marken wachsen

Bei den Halterwechseln bleibt Volkswagen an der Spitze, gefolgt von BMW und Mercedes-Benz.

Besonders dynamisch entwickeln sich jüngere Marken:

  • Tesla: +30,67%
  • Cupra: +30,77%
  • MG: +64,9% 

Der starke Zuwachs bei MG könnte laut Auto-i-Dat teilweise auf Händlerzulassungen zurückzuführen sein, die nun in den Gebrauchtwagenmarkt gelangen.

Rückgänge verzeichnen unter anderem:

  • Fiat: –11,46%
  • Subaru: –11,11%
  • Mitsubishi: –13,67%

Diese Entwicklung entspricht laut Experten normalen Marktbewegungen, da viele Fahrzeuge dieser Marken länger im Besitz bleiben und dadurch später in den Occasionsmarkt gelangen.

Elektro-Occasionen bleiben ein Spezialfall

Trotz steigender Zulassungszahlen bei einzelnen Elektro-Marken bleibt der Markt für E-Occasionen herausfordernd. Unsicherheiten bei Restwerten, begrenzte Ladeinfrastruktur und Vorbehalte gegenüber Batterietechnologie bremsen die Nachfrage.

Dabei wird die Lebensdauer moderner Batterien häufig unterschätzt. „400’000 Kilometer und mehr sind durchaus realistisch“, so Mitteregger. Besonders für Pendler mit kurzen täglichen Strecken reicht die vorhandene Batteriekapazität oft deutlich länger als erwartet.

Zur besseren Bewertung von Elektrofahrzeugen setzt Auto-i-Dat neu auf eine State-of-Health-korrigierte Bewertung, die den tatsächlichen Zustand der Batterie berücksichtigt.

Fazit: Stabiler Markt mit langfristigen Veränderungen

Der Schweizer Occasionsmarkt bleibt auch 2026 ein stabiler Pfeiler der Automobilbranche. Während der Neuwagenmarkt unter Druck steht, sorgt die anhaltend hohe Nachfrage nach Gebrauchtwagen für Stabilität.

Gleichzeitig führt das sinkende Neuwagenangebot zu einer strukturellen Verknappung, die den Markt langfristig prägen wird – mit Auswirkungen auf Preise, Werkstätten und den gesamten Aftermarket.

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