Der blaue Führerausweis – und wo der Wechsel am meisten kostet

Blauer Führerausweis der Schweiz
Das berühmte blaue Dokument, das viele Generationen begleitet hat, ist bald Geschichte. Dieser muss bis spätestens 31. Oktober 2024 gegen die neue Version im Kreditkartenformat eingetauscht werden.

Ab dem 1. November 2024 ist der blaue Führerausweis ungültig. Autofahrerinnen und Autofahrer, die bei einer Kontrolle nur dieses Dokument vorzeigen, müssen mit einer Busse rechnen. Obwohl sie weiterhin berechtigt sind, ein Fahrzeug zu führen, droht ihnen gemäss der Ordnungsbussenverordnung OBV eine Busse von 20 Franken.

Noch längst nicht alle Autofahrerinnen und Autofahrer haben den Umtausch vollzogen. Laut der Vereinigung der Strassenverkehrsämter ASA hatten Ende August noch 330'000 Personen den Führerausweis aus Papier.

Preise stark unterschiedlich

Obwohl der Führerausweis im Kreditkartenformat ein schweizweit einheitliches Dokument ist, das seit Januar 2023 in einem zentralen Druckzentrum in Österreich produziert wird, fallen die Kosten für den Austausch in den verschiedenen Kantonen sehr unterschiedlich aus.

Im Kanton Basel-Stadt kostet der Umtausch stolze 75 Franken und ist damit mehr als doppelt so teuer wie in St. Gallen, wo der Austausch nur 30 Franken kostet. Die Preisunterschiede sind auf verschiedene kantonale Gebühren zurückzuführen. Erstaunlicherweise sind die Kosten in Zürich, das sonst als teure Region gilt, mit 35 Franken vergleichsweise niedrig. STREETLIFE hat eine Übersicht der Kosten zusammengestellt.

So viel kostet der Umtausch in den Deutschschweizer Kantonen.
So viel kostet der Umtausch in den Deutschschweizer Kantonen.

Unmut über Tarife

Die unterschiedlichen Gebühren sorgen für Kritik. Thomas Hurter, SVP-Nationalrat und Präsident des Automobilclubs der Schweiz ACS zu STREETLIFE: «Ein solcher Preisunterschied unter den Kantonen ist schlecht. Er reiht sich ein in andere kantonalen Preisunterschiede, etwa bei der Gebühr für die Motorfahrzeugkontrolle MFK.»

Hurter fügt hinzu: «Da es sich dabei um eine Standardaufgabe handelt, sollte eine einheitliche Gebühr erhoben werden. Der Aufwand ist schliesslich nicht mit kantonalen Unterschieden verbunden.»

Auch die Autofahrerinnen und Autofahrer sind über die uneinheitlichen Tarife frustriert. Diese führen, so Hurter, zu Verwirrung und Unzufriedenheit: «Grundsätzlich machen kantonale Unterschiede dort Sinn, wo auch kantonale Situationen speziell finanziert werden müssen.»

«Ein solcher Preisunterschied unter den Kantonen ist schlecht.»
Thomas Hurter, SVP-Nationalrat und Präsident des Automobilclubs der Schweiz ACS

Kostenloser Umtausch gefordert

Beat Niederhauser, Geschäftsführer und Stellvertreter des Preisüberwachers, teilt diese Ansicht. Für ihn sind die Preisunterschiede schwer nachvollziehbar. Mögliche Gründe sieht er darin, dass einige Kantone möglicherweise keine kostendeckenden Gebühren erheben oder bei grösseren Mengen an Umtauschanträgen günstigere Preise pro Ausweis erzielen.

Dennoch bleibt es für Niederhauser eine problematische Situation im Schweizer Gebührensystem. Er fordert: «Solche vom Staat geforderten Dokumentenwechsel sollten gratis sein!»

Das benötigt man für den Austausch

Das notwendige Formular für den Umtausch findet man beim Strassenverkehrsamt des Wohnkantons. Der Antrag kann entweder persönlich, per Post oder online eingereicht werden.

Wichtig ist es, dem Antrag ein neues Passfoto beizulegen. Dabei müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:

  • Das Foto darf in Farbe oder Schwarz-Weiss sein.
  • Gescannte oder selbst ausgedruckte Fotos sind nicht gültig.
  • Es muss auf Fotopapier gedruckt sein.
  • Fotos mit abgerundeten Ecken, Knicken oder Flecken werden abgelehnt.
  • Der Blick muss gerade in die Kamera gerichtet sein, mit offenen Augen und neutralem Gesichtsausdruck.
  • Getönte Brillengläser oder Reflexionen sind nicht erlaubt.
  • Kopfbedeckungen sind nur aus religiösen Gründen zulässig.
  • Es dürfen keine Schatten auf dem Gesicht sein.
  • Der Hintergrund muss neutral und frei von Gegenständen oder Personen sein.

Vor allem ältere Autofahrende betroffen

Der Dokumentenwechsel betrifft vor allem ältere Fahrzeuglenkerinnen und -lenker. Einige würden gemäss den Strassenverkehrsämtern den Umtausch gleich zum Anlass nehmen, ihre Fahrkarriere zu beenden und den Führerausweis endgültig abgeben.

Die Vorteile des neuen Führerausweises

Die neue Führerausweisversion im Kreditkartenformat ist seit Mitte April 2023 verfügbar, und etwa eine Million Menschen in der Schweiz besitzen ihn bereits. Laut der ASA ist das Dokument deutlich besser gegen Fälschungen geschützt. Ausserdem wird auf der neuen Karte keine Wohnadresse mehr vermerkt, wodurch bei einem Umzug die lästige Adressänderung entfällt.

ÄhnlicheArtikel