Die ältesten Parkhäuser der Schweiz: Diese historischen Anlagen werden heute noch genutzt
Alles auf einen Blick:
- Einige der ältesten Parkhäuser der Schweiz sind noch heute täglich in Betrieb.
- Der Boom des Autoverkehrs in den 1960er- und 1970er-Jahren führte zum Bau zahlreicher Parkhäuser in Schweizer Städten.
- Historische Anlagen in Bern, Zürich, Luzern, Thun, Solothurn und Lugano prägen bis heute das Stadtbild.
- Viele dieser Parkhäuser wurden modernisiert, ihre ursprüngliche Architektur blieb jedoch erhalten.
Die ältesten Parkhäuser der Schweiz: Zeitzeugen des Auto-Booms
Die heutigen Parkhäuser in der Schweiz sind weit mehr als reine Abstellflächen für Autos. Viele der ältesten Anlagen stammen aus einer Zeit, in der das Auto endgültig zum festen Bestandteil des Alltags wurde. Vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren nahm der Individualverkehr massiv zu: Innerhalb eines Jahrzehnts stieg die Zahl der Personenwagen in der Schweiz von rund 509’000 auf über 1,38 Millionen Fahrzeuge.
Mit dem Wachstum des Verkehrs wurde der Platz in den Innenstädten knapp. Die Lösung: unterirdische Parkhäuser und mehrstöckige Parkanlagen. Sie galten damals als Symbol moderner Stadtentwicklung und verbesserten die Erreichbarkeit der Stadtzentren erheblich.
Viele dieser historischen Parkhäuser werden bis heute genutzt – trotz moderner Anforderungen an Parkplätze, Zufahrten und Infrastruktur. STREETLIFE zeigt eine Auswahl der ältesten Parkhäuser der Schweiz, die auch heute noch geöffnet sind.
Casinoparking (1935)
Das Casinoparking in Bern gehört zu den frühesten Parkhäusern der Schweiz. Die Anlage entstand zwischen 1935 und 1938 im Rahmen einer grossen Umgestaltung des Casinoplatzes. Dafür wurde der damalige Münzgraben aufgefüllt und neuer Raum für den Verkehr geschaffen.
Bereits damals stand die Verbesserung der Verkehrsführung im Zentrum. Heute wirkt das Parkhaus vollständig unterirdisch, tatsächlich ist es jedoch Teil einer historischen Terrainveränderung mitten in der Berner Innenstadt.
Metro Parking (1955)
Das Metro Parking am Waisenhausplatz zählt ebenfalls zu den ältesten Parkhäusern der Schweiz. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1955 wird es intensiv genutzt – sowohl von Pendlern als auch von Besuchern der Berner Innenstadt.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Parkhaus mehrfach modernisiert. Heute bietet die Anlage rund 425 Parkplätze und ist rund um die Uhr geöffnet.
Parkhaus Kesselturm (1960er-/1970er-Jahre)
Das Parkhaus Kesselturm in Luzern entstand während des grossen Verkehrsbooms rund um die Luzerner Altstadt. Mit mehreren Ebenen und rund 350 Stellplätzen galt die Anlage damals als moderne Verkehrslösung.
Bis heute ist das Parkhaus in Betrieb – bekannt ist es allerdings auch für seine engen Platzverhältnisse. Schmale Rampen und verwinkelte Parkfelder machen das Parkieren besonders mit grossen Fahrzeugen oder SUVs anspruchsvoll.
Parkhaus Hohe Promenade (1964)
Zwischen 1964 und 1968 entstand in Zürich das Parkhaus Hohe Promenade – eines der ältesten grossen Parkhäuser der Stadt. Die Anlage befindet sich unterhalb der gleichnamigen Anhöhe und ist von aussen kaum sichtbar.
Bereits in den 1960er-Jahren setzte Zürich auf unterirdische Verkehrslösungen. In den 2010er-Jahren wurde das Parkhaus umfassend saniert. Moderne Beleuchtung, optimierte Fusswege und neue Zugänge sorgen heute für mehr Komfort, während die historische Grundstruktur erhalten blieb.
Parkhaus Grabengut (1973)
Mit dem Parkhaus Grabengut erhielt Thun 1973 sein erstes öffentliches Parkhaus. Ziel war es, den Verkehr aus der Altstadt zu verlagern und die Erreichbarkeit der Innenstadt zu verbessern.
Die Anlage bot damals rund 600 Parkplätze und gehörte damit zu den grösseren Parkhäusern in einer Schweizer Mittelstadt. Ergänzt wurde das Projekt durch Freizeit- und Gastronomieangebote. Auch mehr als 50 Jahre später bleibt das Parkhaus ein wichtiger Bestandteil der Stadt.
Parkhaus Bieltor (1976)
Das Parkhaus Bieltor wurde 1976 als erstes öffentliches Parkhaus in Solothurn eröffnet. Die Einweihung wurde mit einem grossen Volksfest gefeiert – inklusive eines auf Eis gelagerten Hais als Attraktion.
Anfangs reagierte die Bevölkerung noch skeptisch auf das neue Parkkonzept. Nach einer kostenlosen Testphase gingen die Besucherzahlen zunächst zurück. Langfristig setzte sich das Parkhaus jedoch durch und gehört heute fest zur Solothurner Innenstadt. Zwischen 2023 und 2025 wurde die Anlage umfassend saniert.
Autosilo Balestra (1978)
Das Autosilo Balestra in Lugano wurde 1978 eröffnet und zählt zu den architektonisch auffälligsten Parkhäusern der Schweiz. Die brutalistische Zickzack-Architektur macht die mehrstöckige Anlage bis heute unverwechselbar.
Ursprünglich kombinierte das Gebäude Parkplätze mit Einkaufs- und Gastronomieflächen. Heute dient es ausschliesslich als Parkhaus. Bekannt wurde die Anlage auch durch einen spektakulären Zwischenfall im Jahr 2010, als ein Auto durch eine Betonwand im obersten Stockwerk brach – der Fahrer blieb unverletzt.
Historische Parkhäuser bleiben Teil der Schweizer Städte
Ob in Bern, Zürich oder Lugano: Viele historische Parkhäuser prägen das Stadtbild bis heute. Gleichzeitig zeigen sie, wie stark das Auto die Entwicklung der Schweizer Städte beeinflusst hat.
Während neue Parkhäuser heutzutage oft an hohen Kosten, Platzmangel oder politischen Diskussionen scheitern, bleiben die bestehenden Anlagen wichtige Verkehrsknotenpunkte – auch wenn sie nicht immer auf moderne Fahrzeuge ausgelegt sind.