«Elektroautos immer vorheizen»
So kommt dein E-Auto weiter:
- Im Winter verlieren Elektroautos bis zu 25 Prozent Reichweite durch kalte Akkus und Heizbedarf.
- Vorheizen am Ladekabel 15–30 Minuten vor Abfahrt schont den Akku und steigert die Reichweite.
- Wärmepumpe, Sitzheizung und Eco-Modus helfen zusätzlich, Strom zu sparen.
Die kalte Jahreszeit ist ein Härtetest für Mensch und Maschine. Dabei machen auch mildere Wochen ohne viel Schnee kaum eine Ausnahme. Eisige Winde und Frostnächte sind im Winter ständige Begleiter – und lassen Besitzerinnen und Besitzer von Elektroautos um ihre Akkus und damit auch ihre Reichweite bangen.
Kälte bremst den Akku
Den Grund für die Sorgen der Stromer-Fahrenden kennt der E-Auto-Experte beim TCS, Martin Bolliger: «Bei niedrigen Temperaturen werden die komplexen, elektrochemischen Vorgänge beim Laden und der Energieabgabe träger. Es kommt weniger Strom in der Batterie beziehungsweise im Motor des Wagens an.» Die Folge ist, dass die Batterie langsamer lädt. Zudem sinkt die Reichweite, um etwa 25 Prozent im Vergleich zum Sommer
Das liege an der Heizung, erklärt Bolliger. «Der Akku wird gewärmt, womit Energie nicht für den Motor und für die Reichweite verfügbar ist, sondern für die optimale Betriebstemperatur.»
Nur am Kabel vorheizen
Um die Leistung und Reichweite im Winter zu maximieren, empfiehlt Bolliger, das Fahrzeug vorzuheizen, und zwar 15 bis 30 Minuten vor der Abfahrt. «Eine Akkuheizung bringt die Batterie auf die optimale Temperatur.» Das sei aber nur sinnvoll, wenn der Stromer am Ladekabel hängt. «Dann heizt sich das E-Auto nicht mit dem Strom aus der Batterie, sondern vom Stromnetz auf.» Damit steht mehr Batteriekapazität zum Fahren zur Verfügung. Das Vorwärmen lässt sich je nach E-Auto im Multimediasystem auf den geplanten Abfahrtszeitpunkt programmieren oder per App ferngesteuert starten.
Weiter haben Elektroautos mit einer Wärmepumpe im Winter einen Vorteil, erklärt der TCS-Experte: «Eine Wärmepumpe reduziert den Verbrauch der Heizung im Wageninneren. Sitzheizung und Lenkradheizung sind sehr effiziente Wärmespender, ohne dass das ganze Auto auf 22 Grad geheizt werden muss.» Bolliger hat noch weitere Tricks für den optimalen Stromer-Einsatz im Winter: «Solange der Motor oder Akku noch nicht warm ist, sollte man nicht gleich nach dem Abfahren übermässig beschleunigen. Ansonsten gilt sowohl im Winter als auch im Sommer: 20 bis 80 Prozent Ladestand sind ideal, solange man keine Langstrecken fährt.»
Für diejenigen, die es nicht eilig haben, empfiehlt der E-Auto-Experte zudem, den Eco-Modus des Autos zu aktivieren, um Strom zu sparen und die Reichweite zu erhöhen.
Abschliessend geht Bolliger auf das Thema Parkplatz ein: «Ein Innenparkplatz wird normalerweise nicht so kalt wie ein Aussenparkplatz. Es macht einen spürbaren Unterschied, ob das Auto bei 10 Grad oder 0 Grad steht. Man benötigt viel weniger Energie für die Akkuheizung und das Vorheizen des Wagens.»
Die besten E-Autos für den Winter
Das US-Start-up Recurrent hat 10’000 Elektroautos aus 18 verschiedenen Baureihen ausgewertet. Die Studie zeigt: Die durchschnittliche Reichweite von Elektrofahrzeugen nimmt bei winterlichen Temperaturen im Schnitt um fast ein Drittel ab. Bei Minusgraden, aber ansonsten idealen äusseren Bedingungen verfügten die E-Autos durchschnittlich noch über 70,3 Prozent ihrer eigentlichen Batteriekapazität.
Nicht jeder Stromer reagiert aber gleich stark auf tiefe Temperaturen. An der Spitze mit dem geringsten Reichweitenverlust befindet sich der Audi E-Tron. Er verlor laut der Studie nur 16 Prozent seiner Reichweite. Auf dem zweiten Platz folgt der Nissan Leaf (Baujahr 2019) mit einem Verlust von 23 Prozent, dicht gefolgt von den Tesla-Modellen 3, X und Y mit jeweils 24 Prozent Reichweitenverlust.
Das Schlusslicht unter den getesteten Elektrofahrzeugen bildet der VW ID.4, der mit 46 Prozent beinahe die Hälfte seiner Reichweite bei tiefen Temperaturen einbüsst. Knapp davor rangiert der Chevrolet Bolt mit einem Verlust von 42 Prozent. An drittletzter Stelle liegt der Nissan Leaf aus dem Jahr 2015 mit einem Reichweitenverlust von 34 Prozent.











