Mythen rund ums Autofahren im Winter: wahr oder falsch?
1. Doppelter Bremsweg bei glatten Strassen?
Bei Schnee und Eis ist besondere Vorsicht geboten. Mehr Abstand ist in jedem Fall sinnvoll, aber wie viel reicht noch zum rechtzeitigen Anhalten? Stimmt die Faustregel des doppelten Bremsweges?
Falsch: Es ist sogar noch mehr. Der Bremsweg kann drei- bis viermal so lang sein wie bei trockenen Bedingungen.
Tipp: Halten Sie in jedem Fall genügend Abstand. Der Tachowert in Metern ist dabei eine gute Faustregel. Bei 80 Kilometern pro Stunde sind das 80 Meter, auch mit Winterreifen. Sollte eine Vollbremsung notwendig sein, dann hart und schnell aufs Bremspedal treten, um möglichst viel Bewegungsenergie abbauen zu können.
2. Müssen die Scheiben vollständig von Schnee befreit sein?
Morgens einmal zu oft auf die Snooze-Taste gedrückt, schon muss es schnell gehen. Das Auto ist aber mit einer Schneeschicht bedeckt. Scheiben freimachen sollte reichen, oder? Schliesslich weht der Fahrtwind Eis und Schnee vom Autodach.
Falsch: Der Schnee kann für andere Verkehrsteilnehmende eine Gefahr darstellen. Es ist ausserdem mit einer Verzeigung zu rechnen, wenn man den Schnee nicht wegwischt. Dach, Scheiben, Front, Heck, Spiegel und auch die Kontrollschilder müssen gereinigt sein.
Tipp: Ein Handbesen im Auto erleichtert die Arbeit.
3. Stabilisiert Gas geben ein rutschendes Auto?
Das Auto gerät ins Rutschen und das Heck bricht aus. Ein weit verbreiteter Mythos bei einem instabilen Auto lautet: Gas geben kann das Auto stabilisieren. Aber stimmt das auch?
Falsch: Bei einem instabilen Fahrzeug sollte man sofort die Kupplung durchtreten oder, bei Automatikfahrzeugen, vorsichtig vom Gaspedal gehen. So können die Antriebsräder frei drehen. Zusätzlich sollte man mit dem Lenkrad gegenlenken.
Tipp: Vorsichtig gegenlenken. Eine Viertel-Umdrehung reicht. Wird das Lenkrad zu stark gedreht, werden keine Lenkkräfte mehr übertragen, weil die Räder quer zur Fahrtrichtung stehen.
4. Mit heissem Wasser Autoscheiben enteisen?
Eigentlich klingt es logisch: Heisses Wasser löst Eis und befreit den Scheibenwischer. Ausserdem ist es weniger mühsam als das Eiskratzen. Ist das eine gute Idee?
Experten raten dringend von diesem Vorgehen ab. Starke Temperaturwechsel können zu Spannungsrissen in der Scheibe führen. Lauwarmes Wasser macht hier weniger Probleme.
Tipp: Besser ist es, sich die Zeit zu nehmen und dabei auf einen guten Eiskratzer zu setzen. Eine Frostschutzfolie kann ausserdem vorbeugend wirken.
5. Soll der Motor warmlaufen?
Während man noch das Eis wegkratzt, lässt man den Motor laufen – zur Unterstützung von innen. Zudem hat man dann im Innenraum bei der Abfahrt eine angenehme Temperatur. Oder?
Falsch: Das ist verboten und kann mit einer Busse bestraft werden. So steht es im Strassenverkehrsgesetz SVG: In Art. 42 Abs.1 heisst es, dass der Fahrzeugführer jede vermeidbare Belästigung von Strassenbenützern und Anwohnern zu vermeiden hat. Das unnötige Vorwärmen des Motors stillstehender Fahrzeuge gehört auch dazu. Eine Zuwiderhandlung kann eine Busse von 60 Franken zur Folge haben.
Tipp: Mit warmer Kleidung sind das Scheibenkratzen und die ersten kalten Minuten im Auto aushaltbar.
6. Verkürzt ABS den Bremsweg auf rutschiger Strasse?
Kurz erklärt verhindert ABS, dass die Räder bei Vollbremsung blockieren und der Fahrzeuglenkende so die Kontrolle über das Fahrzeug verliert. Das System regelt dabei den Bremsdruck und senkt ihn wiederholt ab oder hebt ihn an. Kann man also mit ABS auf rutschigem Untergrund normal bremsen?
Falsch: Das System ist nicht darauf ausgelegt. ABS kann sogar das Gegenteil bewirken und den Bremsweg verlängern. Tests zeigen, dass das Rutschen zwar verhindert werden kann, aber dass sich kein bremsender Keil aus Schnee und anderem Material vor den Rädern bildet, weil die Räder immer wieder kurz vor der Blockade gelöst werden.
Tipp: Die Fahrweise am besten immer den Wetterbedingungen anpassen.
7. Hilft ein geringerer Reifendruck?
Durchdrehende Räder bei hohem Schnee, das Auto steckt fest. Können da plattere Reifen helfen, führt also weniger Druck dazu, dass man wegfahren kann?
Im Grundsatz ist die Annahme richtig, jedoch besteht ein Risiko. Zwar vergrössert ein geringerer Reifendruck die Radaufstandsfläche, was auf Sand, Eis oder Schnee durchdrehende Räder verhindern kann. Wenn man dann aber auf geräumten Strassen fährt, kann sich durch den fehlenden Reifendruck die Lenkreaktion und die allgemeine Stabilität verringern. Weniger Luft im Pneu bedeutet auch ein verlängerter Bremsweg und weniger Haftung des Autos.
Tipp: In der Fahrertür, innen am Tankdeckel oder im Handschuhfach ist oftmals ein Kleber mit dem richtigen Reifendruck angebracht. Ausserdem wird mit dem richtigen Reifendruck auch die Reifenabnutzung verringert.
8. Bremst ein Auto mit Allradantrieb besser?
Was sicher gilt: ein Allradantrieb hilft, das Auto aus dem Stand zu bewegen, wenn es rutschig ist. Auch in einer Kurve hilft dieser Modus, weil die Kraft auf alle Räder verteilt und so das Auto stabilisiert wird. Aber ist das auch beim Bremsen so?
Falsch: Ein Allradantrieb bietet hier keinen Vorteil. Bei schweren SUVs, in denen dieser Antrieb eher verbaut ist, bewirkt er eher das Gegenteil: das höhere Gewicht sorgt für einen längeren Rutsch- und somit Bremsweg im Vergleich zu kleineren und leichteren Autos. Die meisten Autos bremsen sowieso mit allen vier Rädern, auch wenn für den Antrieb kein 4x4 eingebaut wurde.
Tipp: Eine vorausschauende Fahrweise hilft, damit man gerade mit einem grossen Geländewagen nicht noch tiefer im Schnee steckenbleibt.
9. Bessere Pneus vorne anbringen?
Was sollte man tun, wenn zwei Pneus des aktuellen Winterreifensatzes schon etwas abgefahrener sind? Gerade bei Vorderradantrieb müsste man die Räder mit mehr Profil dann vorne montiert, oder?
Falsch: Die Antriebsart macht hier keinen Unterschied, sagt der TCS. Darum sollten die Reifen mit mehr Profil grundsätzlich an der Hinterachse angebracht werden. So wird eine gute Haftung der Hinterräder gewährleistet, was das Ausbrechen des Hecks verhindern kann.
Tipp: Gemäss Experten sollte immer der ganze Winterreifensatz ausgetauscht werden. Ist das nicht möglich, sollte zumindest auf einer Achse immer der gleiche Reifentyp montiert werden. Wer unsicher ist, kann sich in jeder Profi-Garage beraten lassen und bekommt dort auch gleich den richtigen Reifen.