Porsche 911 ist in der Schweiz ein Vernunftsauto
Mercedes gegen VW. VW Golf gegen Tesla Model Y. Benzin gegen Hybrid. Das sind die Unterschiede zwischen dem Such- und Kaufverhalten der Schweizerinnen und Schweizer. Klingt ein bisschen, als würden sich interessierte Käuferinnen und Käufer bei der Suche auf dem Online-Marktplatz Carmarket nach einem Auto von ihren Träumen leiten lassen. Doch das stimmt nicht, ermittelt Carmarket anhand von Zahlen.
Wie die Zahlen des Schweizer Automarktes zeigen, wurden im letzten Jahr 239’535 Fahrzeuge immatrikuliert. Das sind fünf Prozent weniger als noch 2023. Noch stärker ist das Interesse an Elektroautos eingebrochen. Es wurden 12,5 Prozent weniger verkauft. Da ist es ein schwacher Trost, dass das Tesla Model Y 2024 erneut das meistverkaufte Auto der Schweiz war.
Der Elektroantrieb ist nur auf Rang drei der beliebtesten Antriebe bei Neuwagen. Nicht einmal jedes fünfte neue Auto fährt elektrisch. Hybrid und Benziner treiben weiterhin die grosse Mehrheit aller Neuwagen an.
Die beliebtesten Antriebe
Auf Carmarket wird die Vorliebe der Kundschaft für Benzin-Fahrzeuge und das geringe Interesse für Elektroautos noch deutlicher. Über die Hälfte der Suchanfragen betrafen im letzten Jahr Benzinautos, während nur 4,4 Prozent der User nach Stromern suchten.
Das ist Platz 4 der Antriebe bei den Suchanfragen. Platz 2 und 3 belegen Diesel- und Hybrid-Autos.
Interessant ist hierbei, dass Diesel bei den Neuwagen praktisch keine Rolle mehr spielt. Nicht einmal jedes zehnte neue Auto läuft noch mit Diesel. Hier scheint es, als entfernt sich die Industrie langsam von den Kundinnen und Kunden. Denn die Suchanfragen bei Carmarket zeigen ein anderes Bild: Bei den Userinnen und Usern sind Diesel-Fahrzeuge immer noch sehr gefragt.
Die beliebtesten Marken
Die Beliebtheit von Hybrid-Fahrzeugen lässt sich auch bei den meistgesuchten Marken ablesen. Die Hybrid-Marke Toyota liegt hier auf Platz 2 hinter Mercedes aber vor BMW. Dieses Resultat zeigt: Carmarket-Userinnen und User lassen sich nicht von ihren Träumen leiten, sondern suchen nach realistischen Fahrzeugen.
Denn auch bei den Verkaufszahlen liegen Mercedes und BMW auf den vorderen Plätzen. BMW verkauft sich auf Platz zwei noch etwas besser als der Viertplatzierte, Mercedes. Toyota liegt bei den Neuwagenverkäufen auf Rang sechs. Hier führt seit Jahrzehnten kein Weg an VW vorbei. Die deutsche Automarke ist die unangefochtene Nummer eins in der Schweiz. Mit Rang vier bei den Suchanfragen unterstreicht VW seine Beliebtheit bei der Kundschaft.
Die beliebtesten Modelle
Den grössten Unterschied zwischen dem Such- und Kaufverhalten findet sich bei den Modellen. Bei den meistverkauften Autos 2024 teilt sich das Tesla Model Y das Treppchen mit dem Skoda Octavia und dem VW Tiguan. Diese spielen bei den Suchanfragen eine untergeordnete Rolle. VWs SUV schafft es mit Platz neun knapp in die Top 10 der meistgesuchten Autos auf Carmarket.
Beim Suchverhalten zeigt sich ein umgekehrtes Bild. An der Spitze erfreut sich ein alter Bekannter der grössten Beliebtheit. Kein Auto wurde mehr gesucht, als der VW Golf – er war bis 2016 auch 41 Jahre lang das meistverkaufte Fahrzeug, bis ihn zuerst der Octavia und später die Tesla-Modelle auf die hinteren Plätze verwiesen. Letztes Jahr landete er noch auf Platz 10 der Verkaufshitparade.
Spannend ist, dass der Golf seinen Spitzenplatz verteidigen konnte, obwohl ab Juni die Mehrheit des Jahres der Porsche 911 das meistgesuchte Auto pro Monat war. Trotzdem reicht es dem Sportwagen aufs ganze Jahr gesehen nur für Rang vier. Vor ihn schieben sich die Mercedes-SUV GLC und GLE. Hinter dem 911er schiebt sich zwar noch der Toyota Yaris auf den 5. Platz der Suchanfragen, aber danach setzt sich die grosse Beliebtheit der SUV durch: Toyota Land Cruiser, BMW X5, Toyota RAV4, VW Tiguan und Suzuki Jimny. Das bedeuten, dass mit den beiden Mercedes sieben der zehn meistgesuchten Autos SUV sind.
Das Fazit
Die meisten dieser grossen und teuren SUV erscheinen dann nicht ganz so weit oben in der Verkaufshitparade, dafür aber ihre kleineren und günstigeren Schwesternmodelle. Trotzdem zeigt sich, Autokaufende gehen bei der Suche nach einem Fahrzeug sehr pragmatisch vor. Sie suchen, was sie wollen und hängen nicht realisierbaren Fantasien nach. Das gilt zu einem gewissen Teil sogar für den Porsche 911. Von 460 in der Schweiz letztes Jahr verkauften Automodellen landete er auf Platz 60. Weniger verkauft als der Sportwagen wurden bekannte Modelle wie der Seat Leon, der Mini, der Citroën C3 oder der VW Passat. Wenn diese Alltagsauto salso weniger verkauft werden, als ein teurer Sportwagen, könnte man sich beinahe fragen, ob der Porsche 911 in der Schweiz noch ein Traumauto ist.
Vor Weihnachten liessen sich die Carmarket-Userinnen und -User dann doch zum Träumen vom Wunschauto hinreissen. Der Ferrari 488 war im Dezember auf Platz zwei der meistgesuchten Autos.