Reifenbezeichnungen erklärt: Alle Zahlen, Buchstaben und Symbole auf dem Reifen verstehen
Wer neue Reifen für sein Fahrzeug kauft oder einen Reifenwechsel plant, stösst zwangsläufig auf eine Vielzahl von Zahlen, Buchstaben und Kürzeln auf der Reifenflanke. Diese Reifenbezeichnung – auch als Pneu Bezeichnungen bekannt – liefert entscheidende Informationen zu Grösse, Tragfähigkeit, Geschwindigkeit, Bauart und Alter eines Reifens.
Doch was bedeuten all diese Angaben konkret? Und wie lassen sich Reifenbezeichnungen korrekt lesen? Dieser Guide erklärt Schritt für Schritt alle wichtigen Kennzeichnungen auf PKW-Reifen – verständlich, praxisnah und übersichtlich.
Was ist die Reifenbezeichnung – und wo findet man sie?
Die Reifenbezeichnung ist eine genormte Kennzeichnung auf der Seitenwand (Flanke) jedes Reifens. Sie enthält alle technischen Angaben, die für Sicherheit, Zulassung und
Fahrverhalten relevant sind.
Zu finden ist sie gut sichtbar an der Aussenseite oder Innenseite des Reifens – unabhängig davon, ob es sich um Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen handelt.
Kaufen Sie Ihre Reifen online – z.B. auf der Reifenplattform von Carmarket – können Sie Ihre Suche aufgrund dieser Reifenbezeichnung punktgenau ausführen, damit Sie den passenden Reifen für Ihr Fahrzeug finden.
Reifenbezeichnung lesen: Was bedeuten Zahlen und Buchstaben?
Eine typische Reifenbezeichnung sieht zum Beispiel so aus:
195/65 R15 91H
Diese Kombination wirkt auf den ersten Blick kryptisch, folgt aber einer klaren Logik. Sie fasst die wichtigsten technischen Angaben zum Reifen zusammen wie Grösse, Bauart, Tragkraft und zugelassene maximale Geschwindigkeit zusammen.
Die Reifenbezeichnung im Detail erklärt
Die wichtigsten Angaben auf dem Reifen beschreiben dessen Grösse. Um die Reifengrösse zu definieren, sind drei Informationen massgeblich: Wie breit ist der Reifen? Wie ist das Verhältnis von Reifenhöhe und Reifenbreite? Wie gross ist der Felgendurchmesser? Daraus ergibt sich in unserem Beispiel folgende Lesart:
195 → Reifenbreite in Millimetern (von Seitenwand zu Seitenwand)
65 → Das Verhältnis von Höhe und Breite des Reifens in Prozent
(Umgangssprachlich auch Reifenquerschnitt). In diesem Beispiel beträgt die
Flankenhöhe 65 % der Reifenbreite.
R → Bauart des Reifens, «R» steht für Radialreifen – heute Standard bei PKW.
15 → Felgendurchmesser in Zoll
Diese Angaben definieren die Reifengrösse- und Bauart und müssen exakt zum Fahrzeug passen.
Tragfähigkeitsindex (Lastindex): Wie viel Gewicht trägt ein Reifen?
Der Tragfähigkeitsindex, auch als Lastenindex bekannt, gibt an, welche maximale Last ein einzelner Reifen tragen darf.
91 entspricht beispielsweise 615 kg pro Reifen.
Wichtig: Der Lastindex muss mindestens den Herstellervorgaben des Fahrzeugs entsprechen. Die Lastenindex-Tabelle ist bei Reifenherstellern, Automobilclubs, im
Fachhandel sowie in seriösen Online-Reifenratgebern zu finden und ordnet jeder
Indexzahl die zulässige Tragfähigkeit zu.
Geschwindigkeitsindex: Welche Höchstgeschwindigkeit ist erlaubt?
Der Geschwindigkeitsindex (Speed-Index) gibt an, für welche maximale Geschwindigkeit ein Reifen zugelassen ist. Er wird in der Reifenbezeichnung durch einen Buchstaben dargestellt und bezieht sich stets auf die vom Hersteller freigegebene Höchstgeschwindigkeit.
Im folgenden Beispiel bedeutet:
H = bis 210 km/h
Weitere gängige Geschwindigkeitsindizes sind:
T = bis 190 km/h
V = bis 240 km/h
W = bis 270 km/h
Der montierte Reifen muss mindestens für die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs ausgelegt sein, um die gesetzlichen und sicherheitsrelevanten Anforderungen zu erfüllen. Für Winterreifen gelten in bestimmten Fällen Sonderregelungen, etwa bei reduzierter Geschwindigkeitsfreigabe in Kombination mit einem entsprechenden Hinweis im Fahrzeug.
DOT-Nummer: Herstellungsdatum des Reifens lesen
Die DOT-Nummer (Department of Transportation) ist eine gesetzlich vorgeschriebene
Kennzeichnung auf der Reifenflanke und gibt Auskunft über das Herstellungsdatum
eines Reifens. Anhand dieser Nummer lässt sich eindeutig bestimmen, wie alt ein
Reifen ist – unabhängig von Laufleistung oder Profilzustand.
Für die Altersbestimmung sind ausschliesslich die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer relevant. Sie stehen für die Produktionswoche und das Produktionsjahr.
Beispiel:
DOT … 3522
→ Der Reifen wurde in der Kalenderwoche 35 des Jahres 2022 hergestellt.
Die DOT-Nummer ist ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Beurteilung der Reifensicherheit, insbesondere beim Kauf von günstigen Aktionsreifen oder bei längerer Lagerung.
Wie alt darf ein Reifen sein – und warum ist das wichtig?
Unabhängig von Profiltiefe oder Laufleistung unterliegt jeder Reifen einem natürlichen
Alterungsprozess. Mit der Zeit verliert das Gummi an Elastizität, härtet aus und kann seine ursprünglichen Haftungseigenschaften nicht mehr vollständig erfüllen.
Als Faustregel gilt:
- Bis zu 5–6 Jahre bieten Reifen in der Regel eine optimale Sicherheits- und
Performancebasis
- Spätestens nach 8–10 Jahren sollten Reifen unabhängig
vom Profilzustand ersetzt werden
Das Reifenalter wirkt sich direkt auf sicherheitsrelevante Eigenschaften wie Bremsweg, Grip und Fahrstabilität aus – besonders bei Nässe, Kälte oder im Winterbetrieb.
M+S und Alpine-Symbol: Kennzeichnung für Winterreifen
Winterreifen lassen sich anhand bestimmter Symbole auf der Reifenflanke erkennen. Die beiden wichtigsten Kennzeichnungen sind M+S und das Alpine-Symbol.
M+S (Mud and Snow) weist darauf hin, dass der Reifen für schlammige und verschneite Untergründe konzipiert ist. Diese Kennzeichnung allein basiert jedoch auf einer Selbsteinstufung des Herstellers und ist kein garantierter Nachweis für geprüfte Wintertauglichkeit.
Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) – ist ein gesetzlich
relevantes Prüfzeichen. Reifen mit diesem Symbol haben standardisierte Tests bestanden und erfüllen definierte Anforderungen an Traktion und Sicherheit bei winterlichen Fahrbedingungen.
In der Schweiz gilt das Alpine-Symbol als entscheidendes Kriterium für echte Winterreifen. Für Fahrten bei Schnee, Eis oder tiefen Temperaturen ist daher ausschliesslich das Alpine-Symbol ausschlaggebend und sollte beim Reifenkauf unbedingt berücksichtigt werden.
«XL» oder «Reinforced»: Was bedeutet das?
Die Kennzeichnungen «XL» oder «Reinforced» stehen für verstärkte Reifen, die für eine höhere Tragfähigkeit und stärkere Belastung ausgelegt sind. Sie verfügen über eine stabilere Karkasse und können bei entsprechendem Reifendruck mehr Gewicht aufnehmen als Standardreifen gleicher Grösse.
Typischerweise kommen solche Reifen zum Einsatz bei:
- SUVs
- Vans
- Fahrzeugen mit hoher Zuladung
- Fahrzeugen mit häufigem Anhängerbetrieb
Runflat-Reifen: Sicher weiterfahren bei Druckverlust
Runflat-Reifen sind speziell verstärkt aufgebaut und ermöglichen es, auch bei plötzlichem Reifendruckverlust noch eine begrenzte Strecke weiterzufahren. Dadurch kann in vielen Fällen auf einen sofortigen Reifenwechsel am Strassenrand verzichtet werden.
Typische Kennzeichnungen für Runflat-Reifen sind:
- RFT
- SSR
- ROF
Voraussetzung für den Einsatz von Runflat-Reifen ist ein kompatibles Fahrwerk
sowie ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS), das den Druckverlust zuverlässig anzeigt.
Tubeless / Tube Type: Schlauchlos oder mit Schlauch?
Bei der Reifenkennzeichnung wird zwischen schlauchlosen Reifen (Tubeless)
und Reifen mit Schlauch (Tube Type) unterschieden.
Tubeless (TL) bezeichnet einen schlauchlosen Reifen, bei dem der Reifen selbst gemeinsam mit der Felge die Luft abdichtet. Diese Bauart ist heute Standard bei PKWs.
Tube Type (TT) steht für Reifen, in denen ein separater Schlauch die Luft enthält. Diese Bauweise ist inzwischen sehr selten und findet sich lediglich noch bei älteren Fahrzeugen oder speziellen Felgenkonstruktionen.
Für aktuelle Personenwagen kommen in der Praxis nahezu ausschliesslich
Tubeless-Reifen zum Einsatz.
E-Kennzeichnung: Gesetzlich zugelassen in Europa
Die E-Kennzeichnung – auch als E-Prüfzeichen bezeichnet – bestätigt, dass ein Reifen die europäischen ECE-Normen erfüllt und für den öffentlichen Strassenverkehr in Europa zugelassen sind. Diese Normen regeln unter anderem Anforderungen an Sicherheit, Bauart, Leistungsfähigkeit und Kennzeichnung von Fahrzeugreifen.
In der Schweiz ist das E-Prüfzeichen verpflichtend, da es die gesetzliche Voraussetzung für die Verwendung von Reifen im Strassenverkehr darstellt. Ohne
gültige E-Kennzeichnung darf ein Reifen nicht im regulären Fahrbetrieb eingesetzt werden.
Verschleissanzeiger (TWI): Profiltiefe richtig erkennen
Der Verschleissanzeiger (TWI – Tread Wear Indicator) zeigt an, wann die gesetzliche Mindestprofiltiefe eines Reifens erreicht ist. Es handelt sich dabei um kleine Stege im Reifenprofil, die sichtbar werden, sobald der Reifen die zulässige Verschleissgrenze erreicht.
In der Schweiz beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe 1,6 Millimeter für Sommer- und Winterreifen. Wird dieser Wert unterschritten, ist der Reifen nicht mehr für den Strassenverkehr zugelassen, da sich Haftung, Bremsweg und Fahrsicherheit deutlich verschlechtern.
Fachstellen und Automobilclubs empfehlen jedoch, Reifen deutlich früher zu
ersetzen – insbesondere Winterreifen bereits ab rund 4 Millimetern, da Grip und
Traktion bei Schnee und Nässe stark abnehmen.
Kurz und gut: Reifenbezeichnungen verstehen heisst sicher fahren
Wer die Reifenbezeichnung kennt und korrekt interpretieren kann, trifft bessere Entscheidungen beim Reifenkauf, erhöht die Sicherheit und sorgt für optimale Fahrzeugperformance. Ob Reifengrösse, Geschwindigkeitsindex oder DOT-Nummer – jede Angabe gibt Auskunft über jeweils ein bestimmtes Merkmal des Reifens und zeigt entsprechend auf, ob und wie gut der Reifen für den gewünschten Zweck geeignet ist.
Häufig gestellte Fragen zu Reifenbezeichnung
Was bedeuten die Abkürzungen auf Reifen?
Sie geben Auskunft über Grösse, Bauart, Tragfähigkeit, Geschwindigkeit, Alter und Zulassung.
Wie kann ich die Reifenbezeichnungen lesen?
Immer von links nach rechts: Reifengrösse → Bauart → Felgendurchmesser → Last-
und Geschwindigkeitsindex → Zusatzkennzeichnungen.
Wie lese ich das Alter eines Reifens?
Über die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer. Die beiden Vorletzten geben
Auskunft über die Kalenderwoche der Herstellung, die beiden letzten über das
Herstellungsjahr.
Was sagen die Buchstaben bei Reifen?
Sie stehen meist für den Geschwindigkeitsindex oder spezielle Eigenschaften wie
Runflat oder verstärkte Bauweise.
Woran erkennt man in der Reifenbezeichnung Sommer- und Winterreifen?
Winterreifen sind mit dem Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke) gekennzeichnet, oft ergänzt durch M+S. Sommerreifen tragen keine Kennzeichnungen.