Bei den Suchabfragen sind Benziner beliebter als Stromer

Elektroauto auf Elektroparkplatz an Ladestation
Bei den Zulassungszahlen von Neuwagen gewinnen Elektroautos immer mehr Marktanteil, auf Carmarket werden sie hingegen kaum gesucht. Bild: Freepik
Das Suchverhalten zeigt eine Diskrepanz zum Kaufverhalten. Gemäss Neuzulassungen kaufen die Kundinnen und Kunden vor allem Elektroautos. Doch auf Online-Marktplätzen suchen sie Verbrenner-Autos.

Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch. Oder doch nicht? Die Politik debattiert über die Zukunft von Benzin- und Dieselmotoren und auch die Kundschaft gibt der Autobranche keine klaren Signale. Das zeigt ein Vergleich zwischen den Zulassungszahlen für Neuwagen und den Suchanfragen auf Carmarket.

Jeder fünfte Neuwagen war letztes Jahr ein Elektroauto, was einem Marktanteil von 20,1 Prozent entspricht. Damit konnten die E-Autos gegenüber 2022 um 31,3 Prozent zulegen, womit sie mehr wachsen konnten als der Gesamtmarkt, der im letzten Jahr nur ein Plus von 11,6 Prozent vorweisen konnte.

Blauer Lexus an Ladestation in der Stadt
Jeder fünfte Neuwagen fuhr im Jahr 2023 elektrisch. Bild: Lexus

Hybrid-Antrieb an der Spitze

Gleichzeitig konnten auch Hybrid-Fahrzeuge ihren Marktanteil steigern. Im letzten Jahr verfügten mit 36,5 Prozent über ein Drittel der Neuwagen über einen Hybridantrieb mit oder ohne Stecker. Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge mit einer aufladbaren Batterie sind hier eingerechnet. Damit verfügen die meisten Neuwagen über einen kombinierten Antrieb von Verbrennungs- und Elektromotor. Die reinen Benzinfahrzeuge ohne Elektro-Unterstützung kamen 2023 auf einen Marktanteil von 33,3 Prozent. Ihre Verkaufszahlen sind rückläufig: Im letzten Jahr wurden 1,1 Prozent weniger Benziner verkauft als noch im Jahr 2022. Noch stärker war der Rückgang bei den Diesel-Fahrzeugen, von denen 10,6 Prozent weniger Exemplare zugelassen wurden. Nicht einmal mehr jeder zehnte Neuwagen (9,3 Prozent) fährt mit Diesel.

Schlüsselübergabe beim Kauf eines Elektrofahrzeug
Gemäss den Verkaufszahlen kommt die Mobilitätswende. Bild: Freepik / prostooleh

Umgekehrte Such-Welt

Wer hingegen online nach einem Auto sucht, der will noch genau das: ein Fahrzeug, das mit Benzin oder Diesel läuft. Die beiden langjährigen Antriebsformen machten von September bis März über drei Viertel der Suchanfragen auf Carmarket aus. Benziner kommen auf 46,7 Prozent aller Suchanfragen, der Diesel-Anteil liegt bei 30,1 Prozent. Nach Hybrid-Fahrzeugen, der meisten verkauften Antriebsform bei Neuwagen, suchten nur 19,3 Prozent der Userinnen und User. Noch kleiner ist das Interesse an Elektroautos, welche nur 3,7 Prozent aller Suchanfragen auf dem Online-Marktplatz ausmachen. Mit über drei Millionen Suchanfragen lässt das Suchverhalten der Carmarket-User auch Schlüsse auf die Entwicklung des Gesamtmarkts zu.

Ein Erklärungsversuch

Kaufen die Kundinnen und Kunden am Ende nicht, was sie suchen? Das bezweifelt Carmarket-Geschäftsführer Henri Lyon. Er sieht einen anderen Grund für die Diskrepanz zwischen Neuwagenverkäufen und Online-Suche. «Bei uns suchen 77 Prozent der User nach Occasionen. Das deckt sich mit anderen Marktplätzen», erklärt Lyon und ergänzt: «Es scheint, dass bei Gebrauchtwagen der Verbrennungsmotor aktuell nach wie vor gefragt ist.» Beim Angebot halten sich Gebrauchtwagen (41,9 Prozent) und Neuwagen (35,5 Prozent) auf Carmarket etwa die Waage. Das Angebot an neuen Elektroautos macht 5,5 Prozent aller verfügbaren Fahrzeuge aus.

Suchanfragen nach Antrieben auf Carmarket
Diese Grafik zeigt die Suchanfragen auf Carmarket nach Antriebsform. Grafik: Carmarket

Das Hybrid-Paradoxon

Etwas anders zeigt sich die Sachlage bei den Hybrid-Fahrzeugen. Hier dürfte die Diskrepanz zwischen Verkaufszahlen und Suchanfragen bei den sogenannten Mild-Hybrid-Fahrzeugen liegen. Dabei wird der Verbrennungsmotor um einen Startergenerator ergänzt. Dieser kann den Motor zwar beim Beschleunigen unterstützen, aber das Auto nie rein elektrisch antreiben. Viele, vor allem deutsche, Hersteller rüsten inzwischen fast alle Modelle mit diesen Startergeneratoren aus. Sie werden trotz der minimalen elektrischen Unterstützung als Hybrid in der Verkaufsstatistik geführt. Was den Hybridanteil in die Höhe treibt und gleichzeitig die Verkaufszahlen von reinen Benzin- und Diesel-Fahrzeugen senkt.

Wer hingegen einen gebrauchten Hybrid sucht, hat eher einen Voll- oder Plug-in-Hybrid im Blick. Sprich Fahrzeuge mit einem deutlich stärkeren Elektromotor und einer grösseren Batterie, die sich im Fall des Plug-in-Hybrids auch an der Steckdose aufladen lassen. Das dürfte den Unterschied zwischen den eher geringen Suchanfragen und deutlich höheren Verkaufszahlen bei Hybrid-Fahrzeugen erklären.

Bleibt die Frage, ob die Mobilitätswende beim Autokauf stockt? Die Zahlen zeigen kein eindeutiges Bild dafür oder dagegen. Sie zeigen klar, dass die Schweizerinnen und Schweizer offen für alle Antriebsformen sind.

Porsche 911 wird betankt mit Bleifrei
Über 75 Prozent der Userinnen und User suchen ein Auto mit Benzin- oder Diesel-Motor. Bild: STREETLIFE

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