Die verrücktesten Lenkräder der Autogeschichte

Titelbild: Cockpit des Mercedes F 200 Imagination mit zwei Joysticks zur Steuerung und durchgehendem digitalen Instrumentendisplay über das Armaturenbrett.
Innenraumstudie des Mercedes F 200 Imagination (1996) mit futuristischem Joystick-Steuerkonzept statt klassischem Lenkrad.
Es gibt es kaum ein Autoteil, das so viele kreative Eskapaden erlebt hat wie das Lenkrad. STREETLIFE hat sich umgesehen und die ausgefallensten Steuergeräte der Automobilgeschichte zusammengestellt.

Kurz zusammengefasst:

  • Das Lenkrad ist das kreativste Autoteil und wurde immer wieder neu erfunden
  • Der Renault 5 Turbo hatte ein einzigartiges, L-förmiges Lenkrad.
  • Maserati Boomerang und andere Studien zeigen Instrumente direkt im Lenkrad-Ring.
  • Mazda, Mercedes und Tesla bringen Steuerhörner, Joysticks und Yoke-Design statt Rundform.
  • Bugatti, Citroën und Byton setzen auf Hightech und ungewöhnliche Formen im Cockpit.

Ob man lässig mit zwei Fingern lenkt oder das Rad fest umklammert – die Hände gehören ans Steuer. Das verlangt nicht nur die Strassenverkehrsordnung, sondern auch die Ergonomie. Ein gutes Lenkrad muss also mehr können als nur die Richtung vorzugeben: Es soll sich gut anfühlen, intuitiv bedienen lassen und idealerweise noch cool aussehen.

Doch Designer und Ingenieure haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder versucht, das Rad im wahrsten Sinne des Wortes neu zu erfinden. Von futuristischen Konzepten bis zu Serienmodellen mit skurrilen Formen war alles dabei.

Ungewöhnliche LenkräderDesignexperimente aus der Automobilwelt

Eine Auswahl der markantesten Lenkradformen, die Technik, Ergonomie und Gestaltung neu gedacht haben.

Innenraum eines Renault 5 Turbo mit blau-rotem Cockpit und einem auffälligen, asymmetrisch geformten L-Lenkrad.

Renault 5 Turbo – das L-förmige Wagnis

Der legendäre Renault 5 Turbo ist vor allem für seinen bulligen Auftritt und den Mittelmotor bekannt. Doch auch im Innenraum sorgte er für Diskussionen: Das markante L-förmige Lenkrad passte zwar ins verspielte Cockpitdesign, überzeugte aber nicht jeden Fahrer. In der späteren Turbo-2-Version (ab 1983) wich es wieder einem konventionelleren Modell.

Innenraum eines Subaru XT mit rechteckigem Lenkrad, digitaler Anzeige und zahlreichen Bedientasten im Armaturenbrett.

Subaru XT – das Sci-Fi-Steuer

Nur kurze Zeit nach Renault wagte Subaru mit dem XT ein ähnliches Experiment. Das Sportcoupé erhielt ein futuristisch anmutendes Lenkrad mit Daumentasten – ein früher Vorgriff auf heutige Multifunktionsräder. Inspiration kam möglicherweise von Bertones Lamborghini-Athon-Studie aus dem Jahr 1980.

Innenraum des Maserati Boomerang mit einem runden Lenkrad, das alle Anzeigen und Instrumente in einem ringförmigen Display vereint.

Italdesign – wenn Designer durchdrehen

Die italienische Designschmiede Italdesign, gegründet von Giorgetto Giugiaro, war schon immer bekannt für visionäre Ideen. Ob Maserati Boomerang, Orca oder Incas – jedes dieser Studienfahrzeuge interpretierte das Thema Lenkrad völlig neu. Beim Boomerang (1972) waren alle Instrumente direkt im Steuer integriert, das wie ein Ring um die Anzeigen verlief. Der Orca (1982) kehrte das Konzept um: eine riesige, feststehende Nabe voller Schalter, umgeben von einem drehbaren Kranz. Und der Incas (1986) schliesslich verabschiedete sich fast komplett vom klassischen Lenkrad – stattdessen steuerte man das Auto über zwei Griffe wie in einem Jet-Cockpit.

Cockpit des Mazda MX-03 Concept mit einem futuristischen Steuerhorn statt Lenkrad, flankiert von digitalen Anzeigen und Bedienelementen in der Mittelkonsole.

Mazda MX-81 & MX-03 – inspiriert vom Himmel

Auch Mazda liess sich von der Luftfahrt inspirieren. In den 1980ern experimentierte die Marke mit Steuerhörnern, die direkt aus Flugzeugen stammen könnten. Besonders der MX-81 Aria (1981) fiel auf: Statt eines Rades nutzte er ein umlaufendes Kunststoffband um einen Bildschirm – ein visionäres Konzept, das seiner Zeit weit voraus war.

Innenraum des Mercedes-AMG One mit eckigem, rennsportähnlichem Lenkrad, digitalen Displays und Carbon-Cockpit.

Mercedes – vom Joystick zum F1-Feeling

Die Stuttgarter wagten sich 1996 mit dem F 200 Imagination an ein Steuerkonzept, das einem Helikopter ähnlicher sah als einem Auto: ein zentraler Joystick zwischen den Sitzen. Heute wirkt das fast prophetisch – im AMG One (seit 2022) kehrt Mercedes zum Rennsport zurück. Das Lenkrad mit seiner eckigen Form und zahlreichen Tasten erinnert stark an die Formel 1, deren Technik tatsächlich im Wagen steckt.

Cockpit des Bugatti Bolide mit U-förmigem Lenkrad im Motorsportstil, zentralem Display und blau-schwarzer Innenraumgestaltung.

Bugatti Bolide – Hightech im U-Format

Runde Lenkräder sind im Supersportwagen-Segment längst passé. Der Bugatti Bolide etwa kommt mit einer abgeflachten U-Form daher, die bessere Sicht auf die Instrumente erlaubt und gleichzeitig den Einstieg erleichtert.

Innenraum eines Tesla Model S mit rechteckigem Yoke-Lenkrad ohne oberen Lenkradbogen und digitalem Instrumentendisplay.

Jidu & Tesla – Zukunft ohne Kreis

Auch moderne Elektroautohersteller verabschieden sich vom klassischen Rund. Der chinesische Hersteller Jidu setzt beim „U-Type“-Steuer auf ein abgeschnittenes Design, das stark an Teslas „Yoke“-Lenkrad erinnert. Beide Varianten sorgen für Diskussionen – und sind derzeit weder in Europa noch in der Schweiz erhältlich.

Innenraum eines Citroën C5 mit Lenkrad, dessen Mittelteil fixiert ist, während nur der Kranz rotiert.

Citroën C5 – Knöpfe in der Mitte

Die Idee einer feststehenden Nabe mit Bedienelementen griff Citroën Anfang der 2000er im C5 auf. So blieben die Schalter immer an derselben Position, während das Rad rotierte. Aus Sicherheitsgründen musste aber auch der Airbag Platz finden – weshalb der französische Hersteller inzwischen wieder auf konventionellere Lösungen setzt.

Futuristisches Armaturenbrett des Byton M-Byte mit Display im Lenkrad und grossem, horizontalem Bildschirm über die gesamte Breite.

Byton M-Byte – das digitale Lenkrad

Das chinesische Start-up Byton wollte den nächsten Schritt wagen: ein Display im Lenkrad. Im Elektro-SUV M-Byte diente ein Touchscreen in der Mitte als Bedienfeld – eine Idee, die Mazda schon 1985 andeutete. Doch die Pandemie stoppte den Traum vom Hightech-Cockpit, bevor das Auto in Serie ging.

Von fliegenden Autos träumen viele – doch das Lenkrad bleibt der Punkt, an dem Vision und Wirklichkeit aufeinandertreffen. Ob L-Form, Joystick oder Touchscreen: Die Geschichte zeigt, dass es manchmal gut ist, wenn man das Steuer lieber fest in der Hand behält.

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