Die verrücktesten Lenkräder der Autogeschichte
Kurz zusammengefasst:
- Das Lenkrad ist das kreativste Autoteil und wurde immer wieder neu erfunden
- Der Renault 5 Turbo hatte ein einzigartiges, L-förmiges Lenkrad.
- Maserati Boomerang und andere Studien zeigen Instrumente direkt im Lenkrad-Ring.
- Mazda, Mercedes und Tesla bringen Steuerhörner, Joysticks und Yoke-Design statt Rundform.
- Bugatti, Citroën und Byton setzen auf Hightech und ungewöhnliche Formen im Cockpit.
Ob man lässig mit zwei Fingern lenkt oder das Rad fest umklammert – die Hände gehören ans Steuer. Das verlangt nicht nur die Strassenverkehrsordnung, sondern auch die Ergonomie. Ein gutes Lenkrad muss also mehr können als nur die Richtung vorzugeben: Es soll sich gut anfühlen, intuitiv bedienen lassen und idealerweise noch cool aussehen.
Doch Designer und Ingenieure haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder versucht, das Rad im wahrsten Sinne des Wortes neu zu erfinden. Von futuristischen Konzepten bis zu Serienmodellen mit skurrilen Formen war alles dabei.
Ungewöhnliche LenkräderDesignexperimente aus der Automobilwelt
Eine Auswahl der markantesten Lenkradformen, die Technik, Ergonomie und Gestaltung neu gedacht haben.
Renault 5 Turbo – das L-förmige Wagnis
Der legendäre Renault 5 Turbo ist vor allem für seinen bulligen Auftritt und den Mittelmotor bekannt. Doch auch im Innenraum sorgte er für Diskussionen: Das markante L-förmige Lenkrad passte zwar ins verspielte Cockpitdesign, überzeugte aber nicht jeden Fahrer. In der späteren Turbo-2-Version (ab 1983) wich es wieder einem konventionelleren Modell.
Subaru XT – das Sci-Fi-Steuer
Nur kurze Zeit nach Renault wagte Subaru mit dem XT ein ähnliches Experiment. Das Sportcoupé erhielt ein futuristisch anmutendes Lenkrad mit Daumentasten – ein früher Vorgriff auf heutige Multifunktionsräder. Inspiration kam möglicherweise von Bertones Lamborghini-Athon-Studie aus dem Jahr 1980.
Italdesign – wenn Designer durchdrehen
Die italienische Designschmiede Italdesign, gegründet von Giorgetto Giugiaro, war schon immer bekannt für visionäre Ideen. Ob Maserati Boomerang, Orca oder Incas – jedes dieser Studienfahrzeuge interpretierte das Thema Lenkrad völlig neu. Beim Boomerang (1972) waren alle Instrumente direkt im Steuer integriert, das wie ein Ring um die Anzeigen verlief. Der Orca (1982) kehrte das Konzept um: eine riesige, feststehende Nabe voller Schalter, umgeben von einem drehbaren Kranz. Und der Incas (1986) schliesslich verabschiedete sich fast komplett vom klassischen Lenkrad – stattdessen steuerte man das Auto über zwei Griffe wie in einem Jet-Cockpit.
Mazda MX-81 & MX-03 – inspiriert vom Himmel
Auch Mazda liess sich von der Luftfahrt inspirieren. In den 1980ern experimentierte die Marke mit Steuerhörnern, die direkt aus Flugzeugen stammen könnten. Besonders der MX-81 Aria (1981) fiel auf: Statt eines Rades nutzte er ein umlaufendes Kunststoffband um einen Bildschirm – ein visionäres Konzept, das seiner Zeit weit voraus war.
Mercedes – vom Joystick zum F1-Feeling
Die Stuttgarter wagten sich 1996 mit dem F 200 Imagination an ein Steuerkonzept, das einem Helikopter ähnlicher sah als einem Auto: ein zentraler Joystick zwischen den Sitzen. Heute wirkt das fast prophetisch – im AMG One (seit 2022) kehrt Mercedes zum Rennsport zurück. Das Lenkrad mit seiner eckigen Form und zahlreichen Tasten erinnert stark an die Formel 1, deren Technik tatsächlich im Wagen steckt.
Bugatti Bolide – Hightech im U-Format
Runde Lenkräder sind im Supersportwagen-Segment längst passé. Der Bugatti Bolide etwa kommt mit einer abgeflachten U-Form daher, die bessere Sicht auf die Instrumente erlaubt und gleichzeitig den Einstieg erleichtert.
Jidu & Tesla – Zukunft ohne Kreis
Auch moderne Elektroautohersteller verabschieden sich vom klassischen Rund. Der chinesische Hersteller Jidu setzt beim „U-Type“-Steuer auf ein abgeschnittenes Design, das stark an Teslas „Yoke“-Lenkrad erinnert. Beide Varianten sorgen für Diskussionen – und sind derzeit weder in Europa noch in der Schweiz erhältlich.
Citroën C5 – Knöpfe in der Mitte
Die Idee einer feststehenden Nabe mit Bedienelementen griff Citroën Anfang der 2000er im C5 auf. So blieben die Schalter immer an derselben Position, während das Rad rotierte. Aus Sicherheitsgründen musste aber auch der Airbag Platz finden – weshalb der französische Hersteller inzwischen wieder auf konventionellere Lösungen setzt.
Byton M-Byte – das digitale Lenkrad
Das chinesische Start-up Byton wollte den nächsten Schritt wagen: ein Display im Lenkrad. Im Elektro-SUV M-Byte diente ein Touchscreen in der Mitte als Bedienfeld – eine Idee, die Mazda schon 1985 andeutete. Doch die Pandemie stoppte den Traum vom Hightech-Cockpit, bevor das Auto in Serie ging.
Von fliegenden Autos träumen viele – doch das Lenkrad bleibt der Punkt, an dem Vision und Wirklichkeit aufeinandertreffen. Ob L-Form, Joystick oder Touchscreen: Die Geschichte zeigt, dass es manchmal gut ist, wenn man das Steuer lieber fest in der Hand behält.