7 Sportwagen, die nur schwer zu bändigen sind
Sportwagen wurden schon immer entwickelt, um die Grenzen des technisch Machbaren auszuloten. Doch nicht jede Leistungssteigerung macht ein Auto automatisch besser beherrschbar.
Wir stellen dir sieben Sportwagen vor, die aufgrund ihrer enormen Leistung und ihres anspruchsvollen Fahrverhaltens in die Geschichte eingegangen sind.
Alles auf einen Blick:
- Die erste Dodge Viper verzichtete auf ABS, ESP und Airbags.
- Der Koenigsegg CCX fiel durch zu wenig Abtrieb an der Hinterachse auf.
- Der Porsche Carrera GT verlangt selbst erfahrenen Fahrern viel Können ab.
- Ferrari F40 und Porsche 930 überraschen mit einem plötzlichen Leistungsschub.
- Der TVR Cerbera Speed 12 war selbst seinem eigenen Hersteller zu brutal.
1. Dodge Viper – kompromisslos & schwer zu kontrollieren
Die erste Generation der Dodge Viper gilt als Paradebeispiel für einen kompromisslosen Sportwagen. Obwohl ihr Design pure Kraft ausstrahlt, steckt die eigentliche Herausforderung hinter dem Steuer.
«Im Serienzustand ist das Ding unfahrbar!»
Tatsächlich verzichtete Dodge bei der 1992 vorgestellten Viper nahezu vollständig auf elektronische Unterstützungssysteme. Weder ABS noch ESP waren an Bord. Selbst Airbags suchte man vergeblich.
Eine Handschaltung überträgt 400 PS und 600 Nm Drehmoment ausschliesslich an die Hinterräder. Besonders beim Anfahren verlangt die Viper deshalb viel Fingerspitzengefühl.
Wer zu beherzt auf das Gaspedal tritt, riskiert vor allem auf kalten Reifen sofort durchdrehende Räder und einen unkontrollierten Heckausbruch.
Die Viper verzeiht kaum Fahrfehler und fordert vom Fahrer jederzeit volle Aufmerksamkeit. Hinter ihrer zeitlosen Karosserie verbirgt sich eine echte Fahrmaschine, die auch heute noch Respekt einflösst.
2. Koenigsegg CCX – zu wenig Abtrieb an der Hinterachse
Das erklärte Ziel von Koenigsegg war es schon immer, die schnellsten strassenzugelassenen Sportwagen der Welt zu bauen. Mit dem CCX kamen die Schweden diesem Anspruch zwar sehr nahe, schufen gleichzeitig aber auch einen der anspruchsvollsten Supersportwagen seiner Zeit. Der Grund dafür lag in der Kombination aus enormer Motorleistung und zu geringem Abtrieb an der Hinterachse.
Bekannt wurde das Problem durch einen Test in der BBC-Sendung «Top Gear». Dort verlor der Testfahrer «The Stig» die Kontrolle über den CCX und
verunfallte.
Seine Empfehlung fiel eindeutig aus: Der Wagen benötige einen Heckspoiler. Koenigsegg reagierte und bot anschliessend einen entsprechenden Heckspoiler
an. Mit dieser Konfiguration stellte «The Stig» schliesslich einen neuen Rundenrekord auf der Top-Gear-Teststrecke auf.
Der schwedische Hersteller selbst führte die deutliche Verbesserung allerdings nicht auf den Spoiler zurück. Stattdessen seien Anpassungen am Fahrwerk und an der Radaufhängung ausschlaggebend gewesen.
Dennoch konnten Kunden den Heckspoiler optional bestellen. Schliesslich wollte niemand riskieren, einen mindestens 700'000 Franken teuren Supersportwagen aufgrund eines ungewollten Kontrollverlusts zu beschädigen.
3. Porsche Carrera GT – hier beginnt der Ernst des Lebens
Der Porsche Carrera GT gehört zu den Supersportwagen, die selbst erfahrenen Fahrern höchsten Respekt abverlangen. Rallye-Legende Walter Röhrl, der massgeblich an der Entwicklung des Fahrzeugs beteiligt war, brachte den Charakter des Porsche mit einem markanten Satz auf den Punkt: «In diesem Auto fängt der Ernst des Lebens an.»
Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr. Der zweifache Rallye-Weltmeister wusste genau, welche Anforderungen ein Hochleistungsfahrzeug an seinen Fahrer stellen kann.
Beim Carrera GT flossen zahlreiche Rennsport-Gene ein. Motor, Chassis und verschiedene technische Komponenten wurden ursprünglich für den Einsatz beim 24 Stunden-Rennen von Le Mans entwickelt. Zum tatsächlichen Renneinsatz kam es
jedoch nie.
Mit 615 PS und einem manuellen 6-Gang-Getriebe verlangt der Porsche seinem Fahrer viel Können ab. Besonders die Kupplung gilt als anspruchsvoll und sorgt selbst bei geübten Autofahrenden dafür, dass der Motor beim Anfahren gelegentlich abstirbt.
Gleichzeitig braucht es einen sehr fein dosierten Gasfuss. Bei falscher Bedienung kann das Heck schneller ausbrechen, als viele erwarten. Elektronische Unterstützung gibt es nur in begrenztem Umfang. Neben ABS verfügt der Carrera GT über eine Traktionskontrolle, die selbst erfahrene Profis nur bei optimalen Bedingungen deaktivieren sollten.
Zusätzlich sind hochwertige High-Performance-Reifen entscheidend, damit die 615 PS zuverlässig auf die Strasse übertragen werden können. Der Carrera GT ist damit ein Supersportwagen, der weniger durch Komfort als durch seine kompromisslose Verbindung aus Renntechnik und purer Fahrdynamik begeistert.
4. Ferrari F40 – kompromissloser Supersportwagen
Der Ferrari F40 nimmt in der Geschichte der Marke eine ganz besondere Rolle ein. Einerseits war er ein Symbol für den Erfolg von Ferrari, denn mit ihm feierte der italienische Sportwagenhersteller 1987 sein 40-jähriges Bestehen. Andererseits war es das letzte Modell, das Firmengründer Enzo Ferrari noch persönlich begleitet und abgesegnet hatte, bevor er 1988 verstarb.
Das Ergebnis war ein kompromissloser Supersportwagen, der sich konsequent auf Leistung und Fahrgefühl konzentrierte. Der F40 leistete 478 PS und verzichtete bewusst auf zahlreiche Annehmlichkeiten, die damals bereits in vielen Fahrzeugen selbstverständlich waren. Komfortausstattungen wie Radio, Servolenkung, Bremskraftverstärker oder zusätzliche Geräuschdämmung suchte man vergeblich. Die eigentliche Herausforderung des Ferrari lag nicht allein in seiner Ausstattung, sondern in der Art, wie er seine Leistung abgab.
Oberhalb von 4000 Umdrehungen entwickelte der V8-Motor einen enormen Leistungsschub, der selbst erfahrene Fahrer überraschen konnte. Für weniger geübte Lenker wurde dieser plötzliche Kraftanstieg schnell zur Herausforderung.
Zusätzlich erschwerten die breiten Hinterreifen die vollständige Übertragung der 557 Nm Drehmoment auf die Strasse. Besonders in Kurven konnte mangelnde Traktion dazu führen, dass unerfahrene Fahrer die Kontrolle verloren.
Der Ferrari F40 war damit kein Sportwagen für jeden Fahrer, sondern ein extrem direkter Supersportler, der Können, Konzentration und Respekt verlangte. Genau diese kompromisslose Charakteristik machte ihn jedoch zu einer der grössten Ikonen der Automobilgeschichte.
5. Shelby Cobra – britischer Sportwagen mit amerikanischem V8
Die Geschichte der Shelby Cobra beginnt mit einem ungewöhnlichen Konzept: Ein leichter britischer Sportwagen wurde mit der Kraft eines amerikanischen V8-Motors kombiniert. Das Resultat war ein Fahrzeug, das in den 1960er-Jahren neue Massstäbe setzte und als einer der ersten echten Supersportwagen galt.
Ausgangspunkt war der britische AC Ace, ein eleganter Roadster, der je nach Ausführung zwischen 86 und 103 PS leistete. Trotz seiner vergleichsweise geringen Leistung war der Wagen teuer und richtete sich vor allem an wohlhabende Individualisten. Im Jahr 1962 entwickelte der amerikanische Rennfahrer und Konstrukteur Carroll Shelby jedoch eine völlig neue Idee: Er wollte den 4,3-Liter-V8-Motor eines Ford Mustangs in den AC Ace integrieren.
Damit war die Shelby Cobra geboren. Der leichte Sportwagen kombinierte rund 1000 Kilogramm Leergewicht mit einer damals beeindruckenden Leistung von 271 PS. Die Rennversion brachte es sogar auf bis zu 350 PS und machte die Cobra zu einer echten Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit. Allerdings zeigte sich schnell, dass das Konzept technisch eine grosse Herausforderung darstellte. AC Cars beschränkte sich nicht nur auf den Einbau des Ford-Motors, sondern nahm zahlreiche Anpassungen vor, um das Fahrzeug an die deutlich höhere Leistung anzupassen.
Trotzdem blieb die Cobra ein anspruchsvolles Fahrzeug, dessen Fahrverhalten selbst von erfahrenen Rennfahrern als heikel beschrieben wurde. Als Carroll Shelby 1965 die Cobra 427 mit bis zu 500 PS präsentierte, erwarteten viele erneut ein kaum kontrollierbares Biest.
Doch der Konstrukteur hatte inzwischen umfangreiche Verbesserungen umgesetzt und präsentierte praktisch ein weiterentwickeltes Fahrzeug. Die neue Version war alltagstauglicher, blieb aber weiterhin eine beeindruckende Rakete.
Es dauerte rund 15 Jahre, bis wieder ein ähnlich bezahlbarer und gleichzeitig leistungsstarker Sportwagen auf den Markt kam, der eine vergleichbare Faszination auslöste wie die Shelby Cobra.
6. Porsche 930 Turbo – der berüchtigte «Witwenmacher»
Kaum ein Spitzname beschreibt den Charakter eines Sportwagens so treffend wie «Witwenmacher». Der Porsche 930, die erste Generation des 911 Turbo, erhielt diese Bezeichnung nicht wegen seiner reinen Leistung, sondern aufgrund seines anspruchsvollen Fahrverhaltens, das viele Fahrer vor grosse Herausforderungen stellte.
Bei seiner Einführung leistete der 930 zunächst 250 PS. Spätere Versionen kamen auf 300 PS und trafen dabei auf ein vergleichsweise geringes Fahrzeuggewicht von lediglich 1140 Kilogramm.
Die Kombination aus geringem Gewicht und kräftigem Motor sorgte für beeindruckende Fahrleistungen. Gleichzeitig verlangte sie dem Fahrer viel Erfahrung ab. Die eigentliche Herausforderung war jedoch nicht nur die Motorleistung selbst, sondern die Charakteristik des Turboladers.
Bis zu einer Drehzahl von rund 4000 Umdrehungen verhielt sich der 911 Turbo vergleichsweise gutmütig. Sobald der Lader jedoch sein volles Potenzial entfaltete, setzte die zusätzliche Kraft sehr plötzlich ein und konnte den Fahrer überraschen.
Gerade in Kurven führte dieser unerwartete Leistungsschub häufig dazu, dass das Fahrzeug ausbrach und die Kontrolle verloren ging. Viele 930er endeten deshalb neben der Strasse.
Porsche reagierte auf die Erfahrungen und verbesserte das Fahrzeug unter anderem durch leistungsfähigere Bremsen sowie eine optimierte Kraftverteilung. Der 930 war für Porsche eine wichtige Lernphase, denn der Turboantrieb war zu dieser Zeit für viele Autofahrende noch eine völlig neue Erfahrung. Heute gilt der erste 911 Turbo als Meilenstein der Sportwagengeschichte. Gut erhaltene Exemplare zählen zu begehrten Sammlerstücken.
7. TVR Cerbera Speed 12 – selbst dem Hersteller zu brutal
Der TVR Cerbera Speed 12 gehört zu den extremsten Sportwagenprojekten der Automobilgeschichte. Während heute Fahrzeuge mit mehr als 1000 PS dank moderner Elektronik vergleichsweise beherrschbar sein können, war eine solche Leistung um die Jahrtausendwende eine absolute Ausnahme – besonders bei einem Fahrzeug ohne elektronische Assistenzsysteme.
Ursprünglich entwickelte TVR den Speed 12, um in der GT1-Rennklasse anzutreten. Voraussetzung für die Teilnahme war jedoch auch eine strassenzugelassene Version. Doch das Projekt geriet immer wieder ins Stocken. Als die GT1-Kategorie schliesslich längst keine Zukunft mehr hatte, stand TVR dennoch vor einem fertigen Prototypen.
Der damalige TVR-Boss Peter Wheeler nahm eines Abends den Wagen mit nach
Hause, um ihn selbst zu testen. Am nächsten Morgen traf er eine überraschende Entscheidung: Das Projekt wurde beendet. Seine Begründung war eindeutig – der Speed 12 sei schlicht zu brutal. Mit einer Leistung von rund 1000 PS, die allerdings nie offiziell gemessen wurde, traf eine extreme Motorisierung auf ein Fahrzeuggewicht von lediglich 999 Kilogramm. Ohne moderne elektronische Helfer, wie sie heute in leistungsstarken Sportwagen selbstverständlich sind, war diese Kombination kaum kontrollierbar.
Der TVR Cerbera Speed 12 blieb deshalb ein faszinierendes Einzelstück der Automobilgeschichte. Er zeigt eindrucksvoll, dass maximale Leistung nicht automatisch zu einem besseren Sportwagen führt. Manchmal entsteht dadurch ein Fahrzeug, das selbst seine eigenen Entwickler an die Grenzen bringt.
Häufige Fragen zu schwer beherrschbaren Sportwagen
Warum wurde der Porsche 930 «Witwenmacher» genannt?
Der Spitzname entstand aufgrund des anspruchsvollen Fahrverhaltens. Der Turbolader
setzte seine Leistung vergleichsweise plötzlich frei. Besonders in Kurven
konnte dieser unerwartete Schub das Heck ausbrechen lassen.
Besitzt die erste Dodge Viper ESP oder ABS?
Die 1992 eingeführte erste Generation verzichtete sowohl auf ESP als auch auf ABS.
Auch Airbags gehörten nicht zur Ausstattung.
Warum ist der Porsche Carrera GT schwer anzufahren?
Der Carrera GT verfügt über eine spezielle Hochleistungskupplung, die besonders fein bedient werden muss. Selbst erfahrene Fahrer können den Motor beim Anfahren gelegentlich abwürgen.
Weshalb erhielt der Koenigsegg CCX einen Heckspoiler?
Nach einem Unfall bei einem TV-Test wurde mangelnder Abtrieb an der Hinterachse kritisiert. Koenigsegg bot daraufhin einen Heckspoiler an und nahm zusätzlich Änderungen an Fahrwerk und Radaufhängung vor.
Wurde der TVR Cerbera Speed 12 verkauft?
Der Speed 12 erreichte keine reguläre Serienproduktion. Das Strassenprojekt wurde eingestellt, nachdem TVR-Chef Peter Wheeler das Fahrzeug selbst getestet und als zu brutal eingeschätzt hatte.