«Das grösste Risiko liegt im Übersteuern»

Rotes Auto im Schnee
Fahren im Winter stellt besondere Anforderungen an die Lenkerinnen und Lenker. Bild: Christian Pfammatter
Durch Schnee und Eis aber auch durch winterliche Kleidung wie Handschuhe und dicke Jacken können Autofahrende im Winter in unerwartete Situationen geraten.

Vor der Fahrt: Vorbereitung ist alles

An kalten Wintermorgen müssen vereiste Scheiben oft freigekratzt werden. Dabei genügt es nicht, nur ein kleines Sichtfenster zu schaffen. «Zum Autofahren benötigen Sie die Sicht durch alle Fenster», betont Stephan Roth. Auch Scheinwerfer, das Nummernschild und mögliche Sensoren am Fahrzeug sollten stets von Schnee und Eis befreit werden. Die Kantonspolizei Bern warnt zudem: «Ist ein Auto nicht von Schnee und Eis befreit oder hat der Lenkende keine freie Rundumsicht, so droht eine Anzeige.»

Schnee auf dem Autodach birgt ebenfalls Gefahren, da er beim Bremsen auf die Windschutzscheibe rutschen und die Sicht plötzlich blockieren kann. «Bei abruptem Bremsen fällt der gesamte Schnee vom Dach auf die Windschutzscheibe und dann wird’s dunkel», erklärt Roth. Er empfiehlt die Nutzung von Enteisungsspray oder einem Scheibenkratzer, um das Auto schnell einsatzbereit zu machen.

Schneekratzer
Schnee sollte auch vom Dach entfernt werden. Bild: Freepik / Fotoangel

Kleidung und Ausrüstung: Sicherheit geht vor

Warme Winterkleidung wie dicke Daunenjacken sind zwar praktisch, sollten jedoch während der Fahrt abgelegt werden. «Dicke Jacken haben zur Folge, dass die Personen bei einem Unfall durch den Gurt nicht optimal geschützt sind», erklärt Roth. Für Kinder gilt dies besonders: «Ist ein Kind zu dick eingepackt, wird es vom Kindersitz nicht gleich gut zurückgehalten wie sonst.»

Auch Schneereste an den Schuhen sollten vor dem Einsteigen entfernt werden. «An den Sohlen klebender Schnee macht die Pedale nass und rutschig. Zudem bringt der Schnee zusätzliche Feuchtigkeit ins Fahrzeug, was die Scheiben beschlagen lässt», warnt Roth. Beim Tragen von Handschuhen sollte man darauf achten, dass diese ausreichend Griffigkeit bieten. «Wer gerne mit Handschuhen fahren möchte, sollte darauf achten, dass sie genügend Grip haben», so Roth, da andernfalls das Risiko besteht, das Lenkrad nicht sicher halten zu können.

Für klare Sicht sorgen

Die kalte Winterluft kann schnell zu Schlieren oder Matsch auf der Windschutzscheibe führen, weshalb die Scheibenwischanlage auch in der kalten Jahreszeit regelmässig genutzt werden muss. «Das Scheibenwaschmittel sollte mit einem Frostschutz versehen sein, damit es in kalten Winternächten nicht einfriert», rät Roth.

Innen können Scheiben ebenfalls durch Feuchtigkeit beschlagen. Schuld daran sind oft nasse Kleidung oder feuchte Haare, die die Luftfeuchtigkeit im Auto erhöhen. «Hier hilft die AC-Funktion, sprich die Klimaanlage, denn mit ihr wird die Luft getrocknet», erklärt Roth. Umluft hingegen sei keine Lösung, da sie nur die bereits feuchte Luft im Wageninneren zirkulieren lasse.

Gefährliche Kurven sicher meistern

Kurvenfahrten stellen Autofahrer im Winter oft vor Herausforderungen. «Das grösste Risiko liegt im Übersteuern», so Roth. Dabei kann das Fahrzeugheck ausbrechen, was das Auto ins Schleudern bringt. Das Gegenlenken sei in solchen Situationen zwar notwendig, jedoch schwer umzusetzen und daher riskant. Hochwertige Reifen können das Risiko minimieren, da sie besseren Halt bieten. Roth ergänzt: Kalter Schnee ist meist griffiger als warmer, matschiger Schnee.

Ein anderes Szenario, das Autofahrer beachten sollten, ist das Untersteuern. «Davon spricht man, wenn das Fahrzeug in der Kurve geradeaus oder in Richtung Kurvenrand rutscht», erklärt Roth. In solchen Fällen rät er: «Bremsen, bis die Räder wieder Grip haben, und dann das Fahrzeug wieder sanft Richtung Kurvenausfahrt lenken.»

Schleuderndes Auto
In Kurven besteht das Risiko, dass das Fahrzeug übersteuert. Bild: Driving Center Safenwil

Richtig bremsen und fahren

Im Winter empfiehlt Stephan Roth, den Wagen im höheren Gang zu fahren: «Ich rate, mit dem höchstmöglichen Gang oder bei einem Automaten im D zu fahren.» Zu viel Kraftübertragung auf die Räder, wie sie in niedrigen Gängen vorkommt, könne das Durchdrehen der Reifen begünstigen und so zum Rutschen führen.

Autos mit Antiblockiersystem (ABS) bieten beim Bremsen einen Vorteil, da das Fahrzeug lenkbar bleibt. «Bei Autos mit einem Antiblockiersystem ist es grundsätzlich immer richtig, bei einem Hindernis oder sonst einem Problem, zu bremsen», betont Roth. Dabei gelte: «Hart bremsen, aber sanft lenken.» So bleibt die Kontrolle über das Fahrzeug während des Bremsvorgangs erhalten.

Eine Notbremsung kann bei glatten Strassenverhältnissen oft einen grösseren Unfall verhindern. «Bremsen verschafft Zeit, um die Situation besser einzuschätzen», erklärt Roth. Zudem könne dadurch die Aufprallgeschwindigkeit reduziert oder ein Unfall sogar komplett vermieden werden. Die Bremswirkung sei ausserdem gleichmässig auf alle vier Räder verteilt, was das Fahrzeug stabiler macht.

Bei Glatteis oder Schneeverwehungen: Vorsicht geboten

Glatteis ist eine besondere Gefahr, die vor allem an Brücken oder an kalten, klaren Wintermorgen auftreten kann. «Bei Glatteis hilft nur zu warten, bis der Schneeräumungsdienst die Strassen gesalzen hat», so Roths Empfehlung.

Falls das Fahrzeug dennoch im Schnee feststeckt, rät der Fahrtrainer, die Traktionskontrolle auszuschalten, um die Motorleistung zu erhöhen. «Die Traktionskontrolle reduziert die Motorleistung. Aber genau die braucht es, um das Auto aus dem Schnee zu bekommen», erklärt Roth. Sollte dies nicht helfen, ist das Abschleppen eine mögliche Lösung. Wichtig dabei: Warnblinker aktivieren und ein Pannendreieck aufstellen.

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